Folge 52 - Alte Synagoge - Dr. Diana Matut
Shownotes
🎄 Die Weihnachtsfolge ist immer etwas Besonderes. Dieses Jahr aber: besonders besonders! 🎄
Warum? Weil es unsere 52. Folge ist! 🎉 Die Sparkasse Essen hat’s ausgerechnet: Das bedeutet, dass Sie, falls Sie erst jetzt dazukommen, jede Woche im neuen Jahr eine Folge hören können. 52 spannende Gäste warten auf Sie!
Und weil es Weihnachten ist, hätten wir eine kleine Bitte: Machen Sie uns ein Geschenk. Es kostet nur eine Daumenbewegung. Abonnieren Sie uns!
🎙 Unser Gast: ein Superstar. Je mehr wir recherchierten, desto klarer wurde es. Dr. Diana Matut – nach Stationen in Oxford, New York und Israel - die neue Leiterin der Alten Synagoge in Essen. Sie führt uns ein in eine faszinierende Welt: den jüdischen Glauben, die Geschichte und das Leben in und rund um die Alte Synagoge.
Passend dazu: Chanukka. Das Lichterfest steht vor der Tür. Wir waren neugierig – gerade hier in Essen, wo Begegnung und Austausch so viel bedeuten.
Dr. Diana Matut hat es schon erlebt: In Essen klopft man gern an. Und heute sind es wir, die klopfen…
In "Zuhause in Essen" spricht die Sparkasse Essen nicht über die gute alte Zeit. Wir sprechen über das, was Essen schon heute besonders attraktiv macht und was nach der Zeit der Ruhrkohle noch Magisches passieren wird. Immer mit Gästen, die Gegenwart und Zukunft auch gestalten. Und wenn WDR Moderator Tobias Häusler einmal in den Rückspiegel schaut, dann nur um die Spur wechseln zu können.
Jeden zweiten Dienstag im Monat ein spannender Gast - aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport, Kultur, Ehrenamt… Und ein ungewöhnlicher Blick auf unsere schöne Stadt.
Das [PROGRAMM] der Alten Synagoge und vieles mehr (https://www.essen.de/leben/kultur_/alte_synagoge/alte_synagoge_startseite.de.html) der Alten Synagoge
Das musikalische ENSEMBLE mit Diana Matut - Jiddische Lieder der Zeit von 1500-1800
Transkript anzeigen
00:00:00: Das Gebäude ist, was es ist. Es ist einfach auch ja furcht,
00:00:05: einflüssend vielleicht von außen. Aber wir werden an unserer Außendarstellung arbeiten.
00:00:10: Wir werden immer weiter versuchen, solche Angebote zu schaffen, die ganz niedrigschwellig sind
00:00:15: und die ganz viele Menschen hoffentlich mit hineinnehmen.
00:00:18: Was man immer sagen muss, niemand von uns vergisst.
00:00:25: Und natürlich vermitteln wir das auch. Natürlich beschäftigen wir uns mit Antisemitismus.
00:00:29: Gleichzeitig möchte ich immer wieder betonen, dass es auch die Seite des gegenwärtigen jüdischen Lebens geht,
00:00:36: die man entdecken sollte, die vielfältig ist.
00:00:39: Und ich glaube, von der wir alle so viel mitnehmen können und gewinnen können.
00:00:43: Zu Hause in Essen. Ein Podcast der "Schwarkasse Essen".
00:00:49: Mit Tobias Häusler.
00:00:57: Ho, ho, ho. Herzlich willkommen, gerade Ihnen ganz persönlich.
00:01:01: Das ist der Podcast für alle, die wissen wollen, was Essen heute bewegt
00:01:05: und was morgen passieren wird. Ein positiver, gut gelaunter Blick auf unsere schöne Stadt.
00:01:10: Die Weihnachtsfolge, die ist immer eine ganz besondere.
00:01:14: Diese aber ist besonders besonders, denn diese Folge ist die Nummer 52.
00:01:19: Und die "Schwarkasse", klar, kennt sich aus, mit Zahlen hat das mal für mich durchkalkuliert.
00:01:23: Also, wenn Sie jetzt als Hörerin, als Hörer neu dazukommen, dann können Sie im kommenden Jahr jede Woche eine neue Folge hören.
00:01:32: 52 haben wir. Und da kommen die neuen noch oben drauf.
00:01:35: Machen Sie uns vielleicht ein kleines Geschenk, das wäre wirklich nur eine Daumenbewegung.
00:01:40: Abonnieren Sie uns, dann verpassen Sie nichts.
00:01:42: Unser Gast ist ein Superstar.
00:01:45: Das wurde mir immer klarer, je tiefer ich da recherchiert habe, in dieser Welt,
00:01:49: die uns manchmal fremdvorkommt, geheimnisvoll, unfassbar spannend.
00:01:53: Der jüdische Glaube und die international renommierte "Jungeleiterin dieser alten Synagoge" hier in Essen.
00:02:00: Wir treffen Dr. Diana Matthoud.
00:02:03: Wir hatten schon den Bischof in einer Weihnachtsfolge, die Superintendentin der Evangelischen Kirche, an Ostern.
00:02:09: Und heute nähern wir uns eben dem Judentum.
00:02:11: Da steht auch ein Fest an, das Fest der Lichter, der Wärme, "Ranooka".
00:02:15: Und wir sind eben neugierig hier in Essen.
00:02:18: Und Diana Matthoud hat das schon festgestellt in der noch kurzen Zeit, in der sie hier ist,
00:02:22: dass man in Essen gern anklopft.
00:02:25: Ja, das ist tatsächlich eine schöne Erfahrung, die ich hier gemacht habe.
00:02:29: Dass es sehr viele Menschen gibt, die Interesse haben an der arbeitelalten Synagoge
00:02:34: und uns eigentlich auch gerne unterstützen möchten.
00:02:37: Und das ist für mich wirklich eine sehr, sehr schöne Erfahrung,
00:02:41: dass Menschen einfach kommen und sagen, wie kann ich helfen?
00:02:44: Was kann ich tun? Lassen Sie uns reden? Lassen Sie uns Kaffee trinken?
00:02:47: Und das weiß ich ausgesprochen zu schätzen.
00:02:49: Womit kann man Ihnen eine Hilfe sein?
00:02:51: Eigentlich auf ganz vielen Ebenen.
00:02:53: Also wir brauchen Netzwerke, wir brauchen Menschen, die Lust daran haben, die alte Synagoge in die Stadt zu tragen.
00:03:00: Dass Menschen in Essen froh sind und stolz sind, eine alte Synagoge zu haben.
00:03:07: Das ist eine Botschaft, an der müssen wir noch ein bisschen arbeiten.
00:03:10: Das heißt einfach Menschen, die kommen, die aber auch durch ihre Netzwerke unsere Existenz und das, was sie tun, weitertragen.
00:03:16: Wir brauchen Menschen, die tatsächlich ganz pragmatisch helfen.
00:03:20: Die kommen und sagen, wir haben Lust, Veranstaltungen hier mit zu betreuen.
00:03:25: Wir haben Lust, hier auch was in die Synagoge zu bringen.
00:03:28: Und uns umgekehrt aber auch vielleicht die Türen öffnen zu Stiftungen, zu anderen Institutionen.
00:03:36: Bevor wir tief eintauchen, dann auch mal einen Blick auf Ihre Visitenkarte vorab.
00:03:40: Sie sind eine Institutsleiterin.
00:03:43: Ein Job bei der Stadt Essen, ist das richtig?
00:03:45: Das kann man so sagen.
00:03:46: Wie heißt das vollständig?
00:03:47: Das heißt genau so, Institutsleiterin.
00:03:51: Der alten Synagoge, dann gibt es noch einen Nachsatz.
00:03:54: Ja, alte Synagoge, haustyrischer Kultur.
00:03:57: Und doch ist dieses Institut vermutlich ein bisschen anders als andere Institut, die man so leiten kann in der Stadt Essen.
00:04:03: Ich habe gerade den Wachwechsel mitbekommen, dauerhaft schwerer bewaffnete Polizei vor der Tür.
00:04:09: Nehmen Sie das noch wahr?
00:04:10: Ja, das beschäftigt mich jeden Tag.
00:04:12: Jeden Morgen, wenn ich zur alten Synagoge komme und durch den Nähdeneingang hineingehe,
00:04:17: steht da noch die Polizei, den wink ich dann zu.
00:04:20: Und die kommen auch manchmal ins Haus, um einen Kaffee zu trinken.
00:04:23: Und wir schwarzen auch mal miteinander.
00:04:25: Und ich bin grundsätzlich natürlich sehr dankbar, dass die Beamtinnen da stehen und diese Arbeit leisten.
00:04:32: Denn ich kann Ihnen auch sagen, dass das nicht selbstverständlich ist.
00:04:35: Ich habe zum Beispiel viele Jahre in Halle gelebt.
00:04:37: Und wir wissen ja, alles gab den Anschlag auf die Hallische Synagoge.
00:04:40: Und da ist diese Selbstverständlichkeit einfach nicht gegeben.
00:04:45: Also insofern sind wir sehr dankbar für...
00:04:47: Ich habe mich sehr schwer damit getan, als die Baustelle hier um die alte Synagoge hochgezogen wurde.
00:04:53: Und dann tatsächlich der Stacheldraht darauf kam.
00:04:57: Das war für mich ein ganz herber Moment.
00:05:00: Natürlich ist der nicht stark sichtbar, aber es widerspricht komplett meinem Selbstverständnis,
00:05:07: früh hinter Stacheldraht arbeiten gehen zu müssen.
00:05:11: Und ich kann mir nur zutiefst wünschen, dass wir irgendwann Zeiten erleben,
00:05:19: wo dieser besondere Schutz nicht mehr nütig sein wird.
00:05:22: Wir kamen hier rein, denn Sie sind, das muss man ja auch mal sagen,
00:05:25: die Polizei ist ja nicht da, um Menschen abzuwehren,
00:05:27: sondern das Böse, wenn es das überhaupt gibt.
00:05:30: Sie sind weiterhin ein offenes Haus.
00:05:33: Das ist ja ganz entscheidend wichtig auch in der Aufgabe, die Sie übernehmen.
00:05:36: Und das ist auch eine sehr bewusste Entscheidung gewesen.
00:05:38: Also wir könnten ja auch die Sicherheitsmaßnahmen nochmal ganz anders aufstellen.
00:05:42: Aber mir ist es einfach sehr wichtig, dass einfach jugendliche Besucherinnen
00:05:47: ganz unproblematisch dieses Haus betreten können, sich hier willkommen fühlen,
00:05:52: dass sie also nicht durch Sicherheitsschleusen gehen müssen, wie das in anderen Orten so ist.
00:05:56: Das wäre auch für uns im Tagesbetrieb und Ablauf tatsächlich eine Herausforderung.
00:06:01: Ich musste mich jetzt auch nicht anmelden.
00:06:03: Also ich hatte jetzt dann mit gerechnet, dass ich wenigstens ein Personalausweis angebe.
00:06:07: Gut, jetzt kann es in meinem Fall jetzt hier für den heutigen Termin ein bisschen anders sein.
00:06:10: Aber in der Regel könnte ich jetzt zum Haupteingang gehen.
00:06:13: Genau.
00:06:14: Als Essener, Bürgerinnen, Bürger und sagen, kann ich mal rein, mal gucken und die Tür geht auf.
00:06:18: Genau, so ist das und Sie müssen auch nichts bezahlen.
00:06:20: Das ist also alles kostenfrei für Sie.
00:06:22: Das heißt, es ist so niedrigschwellig, wie wir das nur irgendwie bewerkstelligen können.
00:06:25: Und gleichzeitig ist dieses Haus, Sie sehen das ja, es ist in seiner ganzen Architektur
00:06:30: als Tempel konzipiert gewesen.
00:06:32: Das entspricht quasi diesen Gedanken, das gerade auch deutschsprachigen Judentums vor dem Krieg,
00:06:38: dass ein Reformjudentum war, ein liberales Judentum war und sehr, sehr stark wirklich auch auf diesen Gedanken des Tempels rekurriert hat.
00:06:46: Also hoch gebaut, ja, stehen Sie wieder vor wie das Pantheon, man streitet nach oben, eine Treppe.
00:06:52: Und das ist eher furchterbietend und man betritt dann den Tempel sozusagen, die Heiligen Hallen.
00:06:58: Und das ist in dieser Architektur, diese Synagoge, sehr, sehr stark zementiert.
00:07:02: Und das ist positiv auf der einen Seite, weil es eben zeigte, ja, hier war ein stolzes kaiserzeitliches Judentum,
00:07:11: eine stolze Gemeinde.
00:07:13: Gleichzeitig ist für uns diese Architektur heute auch befremdlich.
00:07:17: Sie ist eine Echtiktur, die nicht so einladend ist, vielleicht andere, wo die Tür ebenerdig ist, wo man sofort hineinschreiten kann.
00:07:27: Und wo sind wir jetzt? Ich habe gesehen, hier sind ja auch sehr viele Gänge, Flure, Archive drunter.
00:07:33: Ich habe verstanden, rein kommt man leicht, ich habe, glaube ich, später Probleme wieder rauszufinden.
00:07:39: Ja, Sie können gerne bleiben, Herr Häusler, kein Problem.
00:07:43: Also, das hier unten ist der Verwaltungstrakt.
00:07:45: Was aber wichtig ist, der Verwaltungstrakt ist in sich auch nochmal geschlossen.
00:07:49: Aber er führt uns zu einem ganz wichtigen architektonischen Merkmal.
00:07:55: Wenn wir jetzt hier unten bleiben und hier rausgehen würden, dann kommen wir in einen großen, heute Seminarraum.
00:08:02: Was vielleicht spannend ist, dieser Raum war vor dem Krieg auch ein Gebetstraum.
00:08:07: Er war die sogenannte Wochentagssynagoge.
00:08:11: Und was in diesem Haus sehr, sehr spannend ist, ist, dass wir hier eigentlich eine Zweiteilung hatten vor dem Krieg.
00:08:18: Und zwar hatten wir oben im Hauptraum, den die Besucherinnen sehen, eine, wie gesagt, eine deutschsprachige, liberale Gemeinde.
00:08:28: Spannenderweise hier unten in diesem kleinen Gebetstraum eine orthodoxe Gemeinde,
00:08:35: die größtenteils aus jedischsprachigen Menschen bestand, die aus Osteuropa gekommen waren.
00:08:43: Und das bringt uns gleich zu einem ganz spannenden Thema.
00:08:46: Also jüdische Menschen, die vor dem Krieg hier ein ganz integraler Bestandteil dieses grobissen wirtschaftlichen Aufschwungs der Region waren.
00:08:56: Also jüdische Menschen, die in Kohle und Stahl gearbeitet haben, diese Region nach vorne gebracht haben mit ihrer Arbeitskraft
00:09:03: und die hier eben auch eine Heimat brauchten.
00:09:06: Und es ist eben sehr spannend.
00:09:07: Wir sehen hier quasi in Architektur gezimmert auch diese große Hierarchie und auch dieses Gefälle dieser essender jüdischen Vorkriegsgemeinde.
00:09:16: Ja oben das deutschsprachige, liberale Judentum, das hier schon viele Jahrhunderte beheimatet war
00:09:22: und dann hier eine migrantische Gemeinde, die quasi im kleinen Kellerraum gebetet hat.
00:09:29: Wir werden viel über Sie erfahren.
00:09:31: Ich habe Sie vorhin schon internationaler Superstar genannt, mit Stationen in New York, in Oxford, in Israel.
00:09:38: Eine persönliche Frage, Sie sind Tochter eines Juden.
00:09:41: Ihr Vater ist Jude, Sie sind Promovierte, Jude ist ihn, aber sind Sie auch Jüden?
00:09:47: Das ist eine sehr spannende Frage.
00:09:49: Es gibt darauf verschiedene Antworten.
00:09:51: Also ich selber bin Mitglied der jüdischen Gemeinde in Oxford, weil ich dort lange gelebt habe und dort auch immer noch Unterrichte und da immer noch eine Heimat habe.
00:10:00: Die Antwort würde Ihnen unterschiedlich beantwortet, je nachdem welcher jüdischen Strömung Sie gegenüber sitzen.
00:10:08: Mein Vater stammt aus einer jüdischen Familie und da ich dem Reform bzw. liberalen Judentum angehöre, bin ich damit auch jüdisch.
00:10:16: Im orthodoxen Sinne ist die Tochter einer jüdischen Mutter automatisch Jüden?
00:10:23: Das ist richtig.
00:10:24: Das ist eine Frage der Definition und welcher Strömung man angehört.
00:10:27: Wir sind noch im Vorspann.
00:10:30: Danke schön für die Ausführlichkeit.
00:10:32: Wir sprechen über dieses unglaubliche Haus, wir sprechen über das pure Leben hier drin, über Ihr eigenes Leben.
00:10:39: Die Musik ist Ihnen ganz wichtig, gern auch über die Welt und über Essen.
00:10:43: Legen wir los.
00:10:44: Ist egal, schnell Musik und weiter gehts.
00:10:53: Wir treffen einander hier in der alten Synagoge in Essen in der Innenstadt, direkt vor dem Rathaus.
00:10:58: Sie haben es ja schon beschrieben, es ist unübersehbar.
00:11:01: Diese Synagoge ist ja eine Synagoge mit superlattiven.
00:11:05: Sie ist die größte, die best erhaltene...
00:11:08: Die größte Synagoge nördlich der Alpen und auch eine der wenigen freistehenden Synagogen überhaupt, die die Pogromnacht 1938 überstanden hat.
00:11:20: Ja, Synagogen sind wie Kirchen der Ort, an dem eine Gemeinde ihren Glauben lebt.
00:11:27: Dieses Haus ist anders, dieses jüdische Bethaus ist eine jetzt ja durch- und durchstädtische Einrichtung.
00:11:33: Das ist ein großer Unterschied.
00:11:34: Genau so ist es.
00:11:35: Wir sind keine aktive Synagoge mehr.
00:11:38: Es gibt in Essen noch eine aktive Synagoge, aber die hat ein neues Gebäude.
00:11:43: Das heißt, es gibt auch eine jüdische Gemeinde hier in der Stadt.
00:11:47: Wie groß ist die Gemeinde?
00:11:48: Bei Katholiken und Protestanten kann man immer schön das Finanzanfragen.
00:11:51: Die Gemeinde hier beherbergt über 900 Menschen.
00:11:55: Jetzt antworten sie aber wirklich sehr kurz.
00:11:57: Ich bin mühemisch.
00:11:58: Ich habe mich hier auf mich eingeschüchtert.
00:12:01: Auch orthodoxe Juden, sie haben schon beschrieben, das war hier unten mal ein Ort, an dem sie sich getroffen haben.
00:12:06: Gibt es sie auch heute noch in der Stadt?
00:12:08: Wie kennen sie aus New York?
00:12:09: Da sind sie auch sich beim Straßenbild auch in Antwerpen beispielsweise?
00:12:12: Also Häusler, jetzt ganz vorsichtig.
00:12:14: Es gibt orthodoxe Juden und Juden, das ist richtig.
00:12:17: Und dann gibt es noch die sogenannten Rassidimen.
00:12:20: Und das ist, glaube ich, die Strömung, die sie gerade meinen.
00:12:23: Das sind diejenigen, die man oft in den Medien sieht, die lange Schläfenlocken haben und Fellmützen und lange schwarze Mäntel tragen.
00:12:33: Ganz, ganz vorsichtig, das sind Rassidimen.
00:12:35: Die werden oft als ultraorthodoxe bezeichnet.
00:12:39: Das ist ein ganz furchtbarer Begriff.
00:12:41: Und da hätten viele orthodoxe Juden und Jüdinnen auch ein großes Problem mit.
00:12:45: Denn das sind zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe.
00:12:48: Okay, gibt es orthodoxe Juden in der Stadt?
00:12:51: Also darf ich mal was zwischen schieben?
00:12:53: Das ist mir ganz wichtig.
00:12:54: Man kommt sich ja unglaublich schnell und auch zu Recht sehr ungebildet vor.
00:12:58: Aber das bitte ich vielleicht.
00:13:00: Natürlich, wenn ich übers Judentum sprache, weil es eine besondere Welt ist
00:13:04: und gleichzeitig ist es, wenn man ja auch sensibel damit umgehen will, wie es die Geschichte verlangt.
00:13:09: Verstehen Sie diesen Balanceakt?
00:13:11: Ich hoffe sehr, dass ich nicht der Einzige bin, in dem es so geht.
00:13:14: Überhaupt nicht, weil vielleicht ist das ja auch für alle spannend, oder?
00:13:17: Ich finde immer, das Schlimmste wäre ja keinen Kontakt zu suchen.
00:13:21: Also die Gemeinde in Essen ist eine Einheitsgemeinde.
00:13:24: Das bedeutet erst einmal, dass theoretisch jede Art von Jüdischsein darin ihren Platz hat.
00:13:32: De facto sind die meisten Einheitsgemeinden in Deutschland aber in eine bestimmte Richtung ausgelegt.
00:13:38: Das heißt, dass sie sich eher orthodox definieren
00:13:41: und eine eher orthodoxe Lebensweise pflegen oder eben eher liberal oder reformen.
00:13:46: So wie Sie.
00:13:47: So wie ich.
00:13:48: Die alte Synagoge sollte Gedenkstätte sein, Museum.
00:13:53: Und dann gab es diesen Weg hin zu einer kulturellen Begegnungsstätte, der relativ lang war.
00:13:58: Das war kein Schalter, also keine Entscheidung.
00:14:00: Warum ist es so schwer gewesen, dieses besondere Haus zu öffnen?
00:14:04: Also so lebendig zu feiern, wie Sie das vorhaben.
00:14:06: Was ist auch eine Idee, glaube ich, die es erst seit 2010 so richtig gibt?
00:14:09: Ja, das haben wir der damaligen Leiterin, Frau Edna Brocke, zu verdanken,
00:14:13: die dieses Haus inhaltlich neu aufgestellt hat.
00:14:16: Es ist tatsächlich so, dass viele diese Häuser entstanden sind aus einer Zeit der Gedenkstättenarbeit.
00:14:23: Also es ist eine Zeit, wo der Fokus auf Erinnerung lag,
00:14:28: aber auch der Fokus auf der Vernichtung, auf der Shoah und auf Holocaust.
00:14:33: Und Frau Brocke hat gesagt, das muss natürlich immer seinen Platz haben.
00:14:38: Aber es ist wichtig zu sagen, es gibt ein modernes Judentum, es gibt ein Judentum des 20. und 21. Jahrhunderts,
00:14:45: mit ganz vielen Strömungen, ganz vielen Facetten.
00:14:48: Sehr fröhlich, sehr lebendig.
00:14:50: Ganz lebendig, mit ganz viel kultureller Vielfalt.
00:14:53: Und das wollen wir darstellen, das wollen wir auch vermitteln.
00:14:57: Und es ist immer einfacher zu sagen, wir widmen uns der Vernichtung.
00:15:01: Aber es ist doch ein viel wichtigerer Anknüpfungspunkt zu sagen,
00:15:06: das ist es, wir haben eine große, große Vielfalt jüdischen Lebens- und jüdischer Antworten und jüdische Stimmen.
00:15:14: Ein bisschen Geschichte leisten wir uns, bis wir an diesen Punkt wieder ankommen, den Sie schon angesprochen haben.
00:15:18: Also diese Synagoge wurde eingeweiht 1913 als neue Synagoge,
00:15:23: wurde dann wirklich am 9. November 1938 in Brand gesetzt, dann aber von Bomben wiederum im Krieg nicht getroffen.
00:15:31: Das heißt, sie war am Ende des Krieges 1945 wirklich ein ausgebranntes Mahnmal.
00:15:37: Es gibt ein fantastisches Bild aus genau dieser Zeit, von '45 bis '47,
00:15:43: wo wir die gesamte Innenstadtessens in Trümmern sehen.
00:15:48: Nichts steht mehr, alles ist zerstört.
00:15:52: Und in dieser ganzen Szenerie steht die alte Synagoge.
00:15:58: Zwar ausgebrannt, aber im Prinzip als Gebäude ganz klar erhalten und intakt und stolz und sichtbar.
00:16:06: Und das ist für mich immer wie ein Minitikel, also dieses Bild anzuschauen.
00:16:11: Was passierte dann?
00:16:13: Die Stadt hat es gekauft, 1959.
00:16:15: Ja, und dann sehen wir natürlich auch daran, wie der Umgang mit diesem Gebäude war,
00:16:20: wie das ganze Verhältnis auch dieser Nachkriegsgesellschaft in Deutschland zum jüdischen Erbe war.
00:16:26: Dieses Haus wurde in ein Haus für Industriekultur verwandelt.
00:16:30: Und alles, was hier noch erhalten war, und da war sehr, sehr viel im Innenraum noch zu sehen,
00:16:36: wurde rausgerissen und abgeräumt.
00:16:40: Deshalb sprechen wir auch von der zweiten Zerstörung der alten Synagoge in der Nachkriegszeit.
00:16:45: Wer hätten Sie es nicht so genannt, hätte ich es genannt.
00:16:47: Jetzt muss ich so beschreiben.
00:16:48: Das beschäftigt Sie immer noch.
00:16:49: Diese Phase, die abgeschlossen ist, es gab ja dann die 80er,
00:16:53: und dann kam diese Neugestaltung wieder im ursprünglichen Sinne.
00:16:55: Ja, sagen wir mal, es ist eine Annäherung.
00:16:58: Es gibt vieles, was auch verändert worden ist, also zum Beispiel die Farbgebung.
00:17:02: Sie sehen das ja heute eher in so einem Puderton.
00:17:05: Ursprünglich war die alte Synagoge ganz spektakulär farblich gestaltet, mit einem blau,
00:17:11: Himmelsblau, das ist ganz typisch für Synagogen, mit Sternen, mit großen Leuchtern.
00:17:17: Hätten Sie Interesse nochmal nachzustreichen?
00:17:19: Ehrlich gesagt brauchen wir das nicht, weil gerade die alte Synagoge wird,
00:17:24: die sich in der Mitte virtuell rekonstruiert worden ist.
00:17:27: Und wir hatten das große Glück, eine ganz engagierte Firma mit einem Projekt an unserer Seite zu wissen,
00:17:33: die das eben als Virtual und auch als Augmented Reality wiederkriegte.
00:17:38: Und Besucherinnen können sich jetzt ein wunderbaren Film ansehen, wie sah es hier früher aus.
00:17:42: Und Besucherinnen können auch 3D-Brillen aufsetzen und quasi selber in der alten Synagoge,
00:17:47: wie sie war, spazieren gehen.
00:17:49: Da füllen wir Sie jetzt mal mit Leben und Sie machen mit.
00:17:53: Gerne.
00:17:55: Natürlich machen Sie mit, Sie sind ja auch dafür verantwortlich.
00:18:01: Was ist denn heute das Konzept?
00:18:03: Was möchten Sie erreichen mit der alten Synagoge und Ihrer Arbeit?
00:18:05: Für uns steht ganz klar Bildung und Begegnung an erster Stelle.
00:18:09: Und das sind für mich die beiden großen Säulen, auf denen eigentlich alles beruht.
00:18:14: Also unsere Bildungsarbeit ist der größte Teil dessen, was wir hier leisten.
00:18:18: Und das ist eigentlich das, was kaum nach außen dringt.
00:18:21: Das ist, wenn Sie unsere Veranstaltungen sehen, dann sehen Sie gar nicht,
00:18:24: dass jeden Tag 2, 3, 4 Führungen durchs Haus stattfinden,
00:18:27: Workshop-Unterricht auf allen Ebenen, mittlerweile von der Grundschulphase
00:18:33: bis in die Seniorinnen-Arbeit hinein.
00:18:36: Dass wir einfach auch ein wirklicher Begegnungsort sein wollen.
00:18:41: Was sind das für Menschen, die Sie erreichen?
00:18:44: Und welche Menschen erreichen Sie noch nicht, die Ihnen aber wichtig wären?
00:18:47: Ja, die meisten Kinder und Jugendlichen, die das Haus betreten kommen,
00:18:52: ja, mit Schulklassen oder kommen im Rahmen einer organisierten Tour.
00:18:56: Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir es schaffen würden,
00:18:59: diesen Ort auch einen Ort für junge Menschen werden zu lassen.
00:19:02: Das ist das eine.
00:19:03: Das andere ist, dass der Klassiker bei den Veranstaltungen,
00:19:07: dass wir dann eher ein sehr bürgerliches Publikum bei uns haben,
00:19:12: in einer bestimmten Altersgruppe.
00:19:14: Wir können uns auch nicht beschweren, wir freuen uns auch,
00:19:17: die Veranstaltungen sind voll, das ist auch wunderbar.
00:19:19: Aber wir müssen uns da wirklich noch sehr viel Diverser aufstellen.
00:19:22: Da arbeiten wir aber ganz intensiv dran.
00:19:24: Witzig, diese Antwort habe ich schon mal gehört,
00:19:26: und zwar von der Intendantin der Philharmonie.
00:19:28: Die wissen auch genau, wer ihre Miete bezahlt
00:19:30: und wen sie gern noch und auch wichtig, wichtig, wichtig erreichen wollen.
00:19:34: Geht ja vielleicht auch für dieses ehrwürdige Gebäude, diese Berührungsängste.
00:19:38: Also in aktiven Beethäusern, ich erinnere mich an Berlin,
00:19:41: braucht man jüdische Freundinnen und Freunde, die einen mit reinnehmen.
00:19:44: Haben Sie für so etwas Verständnis, diesen Respekt, den wir alle haben?
00:19:48: Ja, das merken wir auch auf den Gesprächen,
00:19:50: dass wir auch ganz spannendes Feedback bekommen,
00:19:53: dass Menschen sagen, ich wusste gar nicht, wie ich mich anziehen soll,
00:19:55: wenn ich diesen Raum betrete.
00:19:57: Da kann man erstmal nicht ganz viel tun,
00:20:00: weil das Gebäude ist, was es ist.
00:20:02: Es ist einfach auch eher furcht-einflüßend vielleicht von außen.
00:20:06: Aber wir werden an unserer Außendarstellung arbeiten.
00:20:09: Wir werden immer weiter versuchen, solche Angebote zu schaffen,
00:20:13: die ganz niedrigschwellig sind
00:20:15: und die ganz viele Menschen hoffentlich mit hineinnehmen.
00:20:18: Dieses ehrwürchtige Gefühl ist ja auch nichts, was man bekämpfen muss.
00:20:23: Das kann man ja auch genießen, so ein unglaubliches Gebäude zu betreten.
00:20:28: Ja, der Raum spricht für sich, aber es soll natürlich auch niemandem abhalten,
00:20:32: den Weg zu uns zu finden.
00:20:34: Und wir haben ja jetzt auch gerade die Studie der Antisemitismusbeauftragten
00:20:37: des Landes NRW vorliegen, die ganz klar belegt hat,
00:20:42: dass mittlerweile 21 Prozent aller in NRW lebenden Menschen sagt,
00:20:48: wir würden keine Synagoge betreten.
00:20:51: Was? Das die Zahlen gerade nicht.
00:20:53: 21 Prozent des befragten Menschen.
00:20:55: eine Repräsentative Umfrage, eine Dunkelfeldstudie, die sie vorgenommen hat.
00:20:59: Und das ist natürlich das, wo wir sagen, ja, da brauchen wir Ansätze.
00:21:05: Und wir entwickeln die natürlich ganz stark.
00:21:07: Wir haben ja diese starke Bildungs- und Begegnungsprogramme,
00:21:09: dass wir schon fahren.
00:21:11: Und wir werden aber in, beginnend im nächsten Jahr,
00:21:15: auch ganz, ganz aktiv in die aufsuchende Arbeit geben.
00:21:18: Das heißt in die mobile Arbeit.
00:21:20: Und ich würde das gerne nennen, alte Synagoge Mobil.
00:21:23: Das bedeutet, dass wir sagen, gut, kommt ihr nicht zu uns.
00:21:26: Kein Problem. Wir reagieren nicht beleidigt.
00:21:29: Wir stellen uns oft kein hohes Ross, sondern wir sagen schön.
00:21:32: Dann kommen wir zu euch.
00:21:34: Dazu müssen Sie die Menschen finden, die so antworten.
00:21:36: Wissen Sie, wo Sie die suchen müssen?
00:21:38: Absolut. Also ein solches Programm gab es schon in Sachsen-Anhalt und Thüringen.
00:21:42: Das haben wir dort schon mal mit sehr großer Werf hochgezogen.
00:21:45: Und jetzt sind wir hier, also die auch Mitarbeiter,
00:21:48: die das dort mitgetragen haben.
00:21:50: Und wir werden das hier einfach angehen.
00:21:52: Und das sieht dann eben so aus, dass wir tatsächlich rausgehen.
00:21:56: Und zwar mit unserem Know-how,
00:21:58: gerne auch in Zukunft dann mit einem Bus oder mit einem Gefährt.
00:22:01: Und wir gehen überall hin.
00:22:03: Wir gehen in Schulen.
00:22:04: Wir werden perspektivisch auch in Grundschulen gehen.
00:22:06: Auf Schulhöfe, Straßen, Feste, Plätze, in die offene Jugendarbeit.
00:22:12: Wir kommen gerne und bringen unser Know-how mit.
00:22:15: Und Sie setzen an der richtigen Stelle an.
00:22:17: Zumindest mehrheitlich habe ich rausgehört, so jung wie möglich.
00:22:20: Ganz richtig.
00:22:21: Und dann kann man sich natürlich auch manchmal fragen,
00:22:23: "Ach ja, bringt das denn jetzt was?"
00:22:25: Wenn ihr jetzt auch noch in Kindergärten geht, muss das sein.
00:22:28: Die Frage wird es natürlich auch gestellt.
00:22:30: "Bringt das irgendwas in Grundschulen zu gehen?"
00:22:32: "Die sind doch viel zu klein?"
00:22:33: Und dann sagen wir natürlich immer absolut,
00:22:35: denn so eine erste Begegnung damit schafft ja erstmal,
00:22:39: eine kleine Hürde wenigstens zu beseitigen.
00:22:43: So einen ersten Kontakt damit zu schaffen mit dem Thema.
00:22:46: Wir haben da einfach überhaupt keine Angst.
00:22:48: Für die Menschen, die Sie nicht suchen müssen, sondern die gerne kommen,
00:22:51: wo kann ich mich denn informieren, was Veranstaltungen angeht in absehbarer Zeit?
00:22:55: Ja, wir haben ganz regulär was alle haben.
00:22:58: Wir haben ein Newsflash, wir haben ein Homepage.
00:23:00: Und werden das natürlich auch erweitern in nächster Zeit.
00:23:03: Ich glaube, das ist ganz ordentlich.
00:23:06: So vielleicht noch ein paar konkrete Fragen.
00:23:17: Sind ja alle Fragen erlaubt.
00:23:19: Sie sagen dann zwar ab und zu mal Vorsicht, vorsicht, aber ich ...
00:23:22: Weihnachten feiern Sie nicht.
00:23:24: Nein.
00:23:25: Jesus Geburt spielt keine Rolle, immerhin Jude.
00:23:27: Man sagt ja auch, er hat vielleicht damals nicht einmal
00:23:30: seine eigene Religion gründen wollen.
00:23:32: Ja, also das ist ein Grundverständnis.
00:23:35: Das ist ja ganz klar.
00:23:37: Ich meine, jemand wie Jesus ist ja nicht angetreten,
00:23:40: um ein neuer Religionsstifter zu werden,
00:23:43: sondern er wollte natürlich seine eigene Religion erneuern.
00:23:46: Und bereichern Jesus war Jude.
00:23:49: Und das glaube ich, im umfänglichen Sinn zu begreifen,
00:23:52: fällt manchmal ein bisschen schwer.
00:23:54: Sie haben Hanukkah.
00:23:56: Das Fest der Lichter, buchstäblich.
00:23:59: Licht spielt eine wichtige Rolle.
00:24:01: Was feiern Sie da, wann und wie?
00:24:03: Also ganz kurz.
00:24:05: Hanukkah ist, feiert man die, Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem,
00:24:12: der lange Zeit besetzt war, von hellenistischen Gruppen.
00:24:17: Und als der Tempel wieder erobert wurde und wieder eingeweiht wurde,
00:24:22: fand man, dass das Öl für den siebenahmigen Leuchter,
00:24:25: dem Menorah, gar nicht reicht.
00:24:27: Dass man höchstens einen Tag damit kommen würde
00:24:30: und dann geschah das sogenannte Ölwunde,
00:24:33: dass also das heilige Öl, das man dafür braucht,
00:24:36: tatsächlich sieben Tage gereicht hat,
00:24:38: bis da neues produziert werden konnte
00:24:40: und das auch nicht hergestellt werden konnte.
00:24:42: Deshalb dauert Hanukkah sieben Tage
00:24:44: und jeden Tag wird eine zusätzliche Hanukkah-Kerze angezündet.
00:24:47: Aber das ist ja gar nicht das Wichtige.
00:24:49: Das Wichtige ist, wie bei Weihnachten,
00:24:51: dass man zusammen ist, dass man gut miteinander ist,
00:24:53: dass es Geschenke gibt.
00:24:55: Sieben Tage lang?
00:24:57: Es gibt jeden Tag kleine Geschenke.
00:24:59: Das ist zum Kombinationspunkt im letzten Tag.
00:25:01: Das ist ja die Mischung aus Adventskalender.
00:25:03: Perfekt, finde ich auch.
00:25:05: Es gibt Spiele, es gibt Zusammensein.
00:25:07: Und das ist das Wichtige.
00:25:09: Sie können sich ja an Heiligabend auch
00:25:11: hinten in die letzte Reihe in Dom setzen.
00:25:13: Wie nah kann man Hanukkah sein,
00:25:15: wie sie es auch feiern?
00:25:17: Ja, dann suchen Sie sich am besten vielleicht eine Gemeinde
00:25:20: und fragen, ob Sie dabei sein können.
00:25:22: Oder Sie haben jüdische Menschen
00:25:24: als Bekannte oder Freunde
00:25:26: und laden sich selber ein.
00:25:28: Sie muss sich nicht nach diesen Freundinnen und Freunden fragen.
00:25:38: Es geht ja immer um die Welt.
00:25:40: New York, Oxford, Essen.
00:25:42: Was für eine Reihe an großen Städtennamen,
00:25:44: auch an akademischen Hotspots für Sie.
00:25:46: Sprechen wir mal über Sie, Frau Dr. Matuth.
00:25:48: King los mit einer Kindheit in der DDR,
00:25:50: in einer nicht religiösen Familie,
00:25:52: aber mit viel Musik.
00:25:54: Unbedingt.
00:25:56: Ich hatte ganz tolle Frauen,
00:25:58: die alle unglaublich gut und professionell
00:26:01: oder semi-professionell Musik gemacht haben.
00:26:03: Das war immer da, es war immer in der Luft.
00:26:06: Eine jüdische Familie in der DDR zu sein. Darüber habe ich mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht.
00:26:12: Was bedeutet das?
00:26:13: Das war sogar noch ein bisschen verschärft eine jüdisch-sorbische Familie in der DDR.
00:26:17: Das kommt ja auch noch dazu. Also quasi zwei Minderheiten.
00:26:20: Passt aber zu dem Ort, in dem sie groß geworden sind. Das war ja direkt an der polnischen Grenze.
00:26:24: Genau, genauso ist das. Ja das wissen wir alle, also Religion in der DDR war ja ein sehr schwieriges Thema.
00:26:30: Und die wirkliche Begegnung mit jüdischer Kultur fand für mich tatsächlich auch erst genau in dieser späten Zeit der DDR statt.
00:26:42: Da waren sie so zwölf, 13, 14? Genau, genau.
00:26:45: Und dann ja unmittelbar nach der Wende, als diese Dinge auf einmal möglich wurden.
00:26:49: Und als zum Beispiel eben auf einmal jüdische Kulturtage nach Erfurt kamen.
00:26:54: Und dann ein Kind, wie ich da drin saß und gar nicht wusste, wohin mit sich vor lauter Begeisterung.
00:27:02: Weil auf einmal eine Brücke geschaffen wurde.
00:27:04: Und diese Brücke wurde für mich eben auch nicht geschaffen über den religiösen Aspekt, über eine Synagoge betreten, sondern eben tatsächlich über Kultur.
00:27:15: Sie haben dann Judaism studiert. Manche nennen es verkürzt jüdische Studien.
00:27:20: Also das Studium der Vielfalt des Judentumus von damals bis heute.
00:27:25: Ein sehr spezielles Studium, vermutlich auch speziell in Halle an der Saale.
00:27:31: Sie werden da einen guten Betreuungsschlüssel gehabt haben, oder?
00:27:34: Ja, fast eins zu eins. Man konnte sich nicht wegducken.
00:27:37: Man war einfach immer dran, aber das hat natürlich sehr geschult.
00:27:41: Als ich dann nach Oxford ging zum Studieren und auf einmal 20 in der Klasse saß, war das für mich eine unendlich große Zahl von Kommilitonen hin.
00:27:50: Nein, aber Spaß beiseite.
00:27:52: Ich bin trotzdem sehr bewusst ins Ausland gegangen.
00:27:55: Das hatte sehr viel zu tun mit der deutschen Landschaft, eben genau damit, dass so lange Zeit jüdisch sein,
00:28:02: eben vor allen Dingen durch die Brille der Vernichtung und der Post-Schoir gesehen wurde, gelesen wurde, diskutiert wurde.
00:28:10: Dass natürlich auch das ganze kulturelle Leben überhaupt nicht vergleichbar war.
00:28:15: Mit dieser Selbstverständlichkeit, mit dieser Diversität, auch mit dieser Lust an der Auseinandersetzung,
00:28:22: am Diskurs, den ich in anderen Ländern erlebt habe.
00:28:25: Und da natürlich ganz voran Großbritannien, die Vereinigten Staaten,
00:28:31: wo ich zum ersten Mal eigentlich innerlich aufgeatmet habe.
00:28:34: Ich kam aus diesem unglaublich bleiern, schweren deutschen Kontext.
00:28:39: Gerade alles rund um Judentum.
00:28:41: Ich kam dorthin und es war einfach so kulturvoll, offen, divers.
00:28:48: Also ja.
00:28:49: Verstehe ich total. Verstehe aber auch diese unglaublich schwere Balance in Deutschland zu halten.
00:28:55: Was man immer sagen muss, niemand von uns vergisst.
00:28:59: Und das besteht überhaupt nicht zur Debatte.
00:29:01: Und wenn Sie auch jetzt in die Programme der alten Synagoe geschauen,
00:29:05: es wird immer ein integraler Bestandteil unserer Arbeit bleiben.
00:29:09: Und natürlich vermitteln wir das auch.
00:29:10: Natürlich beschäftigen wir uns mit Antisemitismus.
00:29:13: Natürlich beschäftigen wir uns mit Joa und allem, was auch dahin geführt hat.
00:29:17: Gleichzeitig möchte ich immer wieder betonen, dass es auch die Seite des gegenwärtigen jüdischen Lebens gibt,
00:29:26: die man entdecken sollte, die vielfältig ist.
00:29:29: Und ich glaube, von der wir alle so viel mitnehmen können und gewinnen können.
00:29:33: Hör ich eigentlich bei Ihnen so einen leichten englischen Akzent raus?
00:29:36: Waren Sie so lange dort oder hatten Sie den immer schon?
00:29:37: Haben Sie sich den antrainiert?
00:29:39: Ich weiß nicht, wie leicht ist es noch ein bisschen sächsisch oder thüringisch.
00:29:43: Ich weiß nicht, wann Sie durchhören.
00:29:46: Die Musik spielt eine ganz, ganz besondere Rolle in Ihrem Leben.
00:29:49: Jüdische Musik, was muss ich über diese Art, die Sie meinen, wissen?
00:29:53: Ja, es ist ja oft noch so, dass man jüdische Musik verbindet.
00:29:57: Also entweder sozusagen mit den großen Namen der klassischen Musikgeschichte oder eben mit Klesmer.
00:30:03: Und das ist natürlich auch alles ganz, ganz, ganz wundervoll.
00:30:06: Aber ich komme ja eigentlich aus der alten Musik, also aus der Renaissance und aus der Barockmusik
00:30:11: oder auch aus der World Music, also Folkmusik.
00:30:13: Das ist mir auch unglaublich wichtig, dass diese jüdische Musikgeschichte einfach tausende von Jahren alt ist.
00:30:21: Und das eben auch bedeutet, ja, wir haben auch eine jüdische Musik der Renaissance.
00:30:26: Wir haben eine jüdische Musik des Barock und wir haben jüdische Musiken aus allen Ländern,
00:30:32: in denen jüdische Menschen mal gelebt haben.
00:30:34: Das heißt, es gibt eine jüdische Musik, die klingt wie arabische Musik.
00:30:37: Wir haben eine jüdische Musik, die klingt wie türkische Musik oder wie griechische Musik.
00:30:40: Das ist was, was ich auch Forschungsmäßig gerne bearbeite und was ich auch natürlich gerne selber musiziere.
00:30:46: Ja, in welchem Zusammenhang machen Sie noch Musik?
00:30:48: Ja, ein bisschen zu wenig dieser Tage leider.
00:30:52: Aber ich habe ein eigenes Ensemble, Sinchasa Nefisch.
00:30:54: "Freude der Seele" heißt das übersetzt und wir...
00:30:56: Komm einfach mal googeln, wenn man es schreiben kann. Keine Chance.
00:30:59: Ich schreib's mal in die Show Notes.
00:31:02: Das rettet mich immer.
00:31:04: Ja, und das beruht tatsächlich auf meine Forschungsarbeit.
00:31:07: Ich habe mittlerweile tatsächlich Dutzende von jüdischen Liedern wieder entdeckt,
00:31:13: die in der Zeit der Renaissance und des Barock geschrieben wurden sind
00:31:18: und wir haben die wieder aufgeführt.
00:31:20: Wir sind ja manchmal so ein bisschen kritisch hier in Essen, ne?
00:31:23: Also, wenn wir so sehen jetzt hier, wir essen darin, essen da.
00:31:26: Oxford, New York, Israel, sie könnte überall sein.
00:31:29: Jetzt ist sie hier. Was macht sie denn in Essen?
00:31:32: Das ist eine tolle Chance, dieses Haus hier voranzubringen.
00:31:36: Also, ich habe die Ausschreibung damals gesehen
00:31:39: und dachte, was für eine wunderbare Schnittstelle zwischen Forschung,
00:31:45: Vermittlung, Museumsarbeit, das ist ein wirkliches Juwel.
00:31:50: Es ist ein ganz, ganz großer Schatz, den wir hier heben können.
00:31:53: Das machen Sie auch ne Zeit lang?
00:31:56: Manchmal denke ich, Sie haben so viel Fernweh
00:31:58: und auch schon so viel gesehen.
00:31:59: Sie wissen ja auch, wie schön es woanders sein könnte.
00:32:01: Niemals so schön wie hier.
00:32:03: Wie lange läuft denn die Vertrag?
00:32:05: Mal sehen. Ich gebe mir jetzt ein bisschen Zeit hier.
00:32:09: Gut.
00:32:10: Wir werden sehen, ob uns hier eine Aufbauarbeit gelingt,
00:32:13: ob wir uns hier in den nächsten Jahren auf gute Füße stellen können.
00:32:17: Sehen Sie, ich komme ja, wie wir nun schon mehr verdisktiert haben,
00:32:21: heute aus dem Osten und sehe, wie stolz Menschen in Leipzig,
00:32:26: in Erfurt, in Halle, auf ihre Kulturinstitution sind,
00:32:30: selbst wenn sie dann hier hingehen.
00:32:32: Wenn Ihnen Menschen in Leipzig immer wieder sagen,
00:32:35: oh, unser Gewandhaus, unser Tomanakor, unsere Oper,
00:32:40: ja, und in Halle genauso, unser Museum,
00:32:43: das ist sehr, sehr verwurzelt in der Stadtgesellschaft.
00:32:47: Und wissen Sie, wenn ich in paar Jahren hier stehe
00:32:51: und jemand sagt, oh, die alte Synagoge,
00:32:54: das ist auch Essen.
00:32:56: Und wenn ich sage, wenn ich auf irgendwas stolz bin in Essen,
00:32:58: dann auch auf die alte Synagoge, das gehört einfach ganz zu uns.
00:33:02: Ich glaube, dann haben wir was geschafft.
00:33:04: Ich habe festgestellt, es gibt auch jetzt schon eine sehr große Nähe der Sprache.
00:33:19: Es gibt ja sehr viele Begriffe, die aus dem jüdischen Kompost
00:33:23: und aus dem Hebräischen kommen hier im deutschen Sprachschatz.
00:33:26: Interessanterweise sind das Begriffe wie "abzocken", "ganove",
00:33:30: "ausbaldowern", "schachern", "knast", "mauscheln".
00:33:34: Ist das schon Antisemitismus in der Sprache?
00:33:36: Das sind immer so Wörter aus der Gaunersprache.
00:33:39: Unterschiedlich.
00:33:41: Also teilweise tatsächlich aus dem, was Sie jetzt aus Gaunersprache bezeichnet haben,
00:33:44: dem Rotwäschen.
00:33:46: Und teilweise auch sind es direkte Entlehnungen
00:33:48: aus dem Hebräischen und Jüdischen.
00:33:50: Also wenn ich zum Beispiel immer sehe, ausgekochtes Schlitzohr sagen will,
00:33:54: ausgekocht, dann gibt es das Wort, das müssen Sie mir jetzt sagen,
00:33:57: wie es man ausspricht, "hochem".
00:33:59: "Hochem", ja, der Weiser.
00:34:01: Für "weiser", genau.
00:34:03: Also im Grunde weit weg von dem, was es an Bedeutung heute hat.
00:34:06: Ja, und dann eben diese Übernahme in die deutsche Sprache
00:34:09: hat dann eben oft einen Bedeutungswandeln mit sich gebracht.
00:34:12: Das ist ganz typisch.
00:34:14: Das sehen wir aber in vielen Lehnwörtern, die auch aus anderen Sprachen zu uns kommen.
00:34:17: Und viele dieser Wörter, und das ist ja auch wieder was Schönes.
00:34:20: Sie haben jetzt gesagt, das ist ja auch irgendwie wieder antisemitisch sprachgeschichtlich.
00:34:23: Muss ich sagen, ist das eigentlich gar nicht richtig.
00:34:26: Denn wenn wir uns anschauen, wie diese Wörter ins Deutsche gewandert sind,
00:34:30: dann ist das eigentlich eine schöne Geschichte.
00:34:33: Warum ist das eine schöne Geschichte?
00:34:35: Weil viele dieser Wörter, sei es Mischpoche oder Dufte,
00:34:40: die was man ja auch hier verwendet, oder "Tuhu wa boho", "Tuhu wa boho",
00:34:45: das kommt eigentlich aus einer Zeit,
00:34:48: als jüdische Gemeinschaften und christliche Gemeinschaften
00:34:52: sehr sehr eng beieinander gelebt haben.
00:34:54: Eigentlich ist das eine schöne Sprachgeschichte.
00:34:56: Das ist eine Harmonie, ein Zusammenleben,
00:34:58: von dem wir aktuell nicht sprechen können,
00:35:01: nicht nur Jüdinnen und Juden gegenüber,
00:35:03: sondern vielen verschiedenen Gruppierungen.
00:35:05: Es bewegt sich wieder etwas nicht zum Guten in Deutschland.
00:35:08: Die Angriffe allein auf die Stolpersteine,
00:35:11: im Moldgefürtel, Rüttenscheid, diese Farbschmierereien,
00:35:15: da ermittelt jetzt der Staatsschutz.
00:35:17: Wie fühlen Sie sich heute?
00:35:19: Ich kann nur sagen, Antisemitismus und antisemitische Übergriffe
00:35:24: sind ja kein Phänomen einer spezifischen Gruppierung.
00:35:27: Antisemitismus ist ein allgemein gesellschaftliches Phänomen
00:35:31: und in allen Gruppierungen und Schichten Deutschlands zu finden.
00:35:36: Es ist kein migrantisches Phänomen, das wir jetzt wieder reimportieren.
00:35:41: Was heißt das für uns?
00:35:43: Also ich kann dir sagen, für mich ganz konkret
00:35:45: komme ich zurück auf Bildung und Begegnung.
00:35:47: Ich kann nur da Ängste abbauen, wo ich jüdischen Menschen begegnen kann
00:35:53: oder Menschen, die mir jüdisch sein, jüdische Kultur vermitteln können.
00:35:57: Und mir ist ganz wichtig, dass wir in den nächsten Jahren
00:36:01: noch verstärkter diese Themen aufgreifen,
00:36:05: dass wir mit allen Communities im Gespräch bleiben.
00:36:09: Und wir haben hier in Essen einen wirklich guten Staat hingelegt,
00:36:13: glaube ich, mit solchen Tagen wie den Demokratietag,
00:36:16: den wir hier in diesem Jahr gestaltet haben, zusammen,
00:36:19: wo wir ganz viele Communities zusammen hatten,
00:36:22: wo wir gemeinsam geredet haben, diskutiert haben, uns kennengelernt haben,
00:36:27: was wir essen, sei es über religiöse Inhalte, kulturelle Inhalte.
00:36:31: Wir haben uns auch auf einen guten Tag kennengelernt. Erinnern Sie sich?
00:36:34: Große Veranstaltungen für Demokratie und Vielfalt,
00:36:37: parallel zu dem Bundesparteitag in der deutschen Berichterstattung,
00:36:40: da standen wir ja auch wirklich gemeinsam, auch vor 10.000en Menschen.
00:36:43: Da hatte ich das Gefühl, die Mehrheit in Essen weiß noch,
00:36:47: wohin sie gehört und was sich gehört.
00:36:50: Ja, es ist ganz wichtig, dass wir nicht den Finger
00:36:54: auf irgendwelche Communities zeigen, sondern dass wir immer bei uns selbst anfangen
00:37:01: und dass wir immer im Gespräch bleiben.
00:37:05: Und wir hoffen, dass wir unsere Bildungsarbeit
00:37:08: diesbezüglich auch noch wirklich gut und substanziell ausbeuten können
00:37:11: in den nächsten Jahren, damit wir den Faden des Gesprächs
00:37:15: auf keinen Fall abbrechen lassen.
00:37:18: Und dann geht es ja nicht nur darum, Fremdes zu integrieren.
00:37:21: Sie sagen ja, es geht am Ende auch darum zu verstehen,
00:37:24: wie sehr wir profitieren, wie langfristig wir profitieren,
00:37:28: davon so verschieden zu sein.
00:37:30: Auch wirtschaftlich, was Innovationen angeht.
00:37:33: Genau, ich habe das auch bei der Demonstration gesagt
00:37:36: und das meine ich auch so.
00:37:38: Es gibt Migration Studies, es ist ein eigener Studiengang,
00:37:41: Migrationsstudien.
00:37:42: Und es wird Ihnen immer dasselbe gesagt werden.
00:37:44: Migrantische Gesellschaften sind dynamische Gesellschaften.
00:37:47: Migrantische Gesellschaften, die das Potenzial dieser Neuankömmlinge
00:37:52: abrufen, sind immer Gesellschaften, die am Ende prospirieren.
00:37:57: Ja, das ist natürlich das Ruhrgebiet nahezu ein Symbol für diese Kraft.
00:38:03: Sie kriegen zum Abschluss von der Sparkasse mein Plakat,
00:38:07: also eine weiße Wand zum Abschluss.
00:38:09: Apropos Sparkasse, die unterstützt sie auch.
00:38:11: Genau, die Stiftung "Alte Synagoge", ja, obwohl das ist kein Automatismus,
00:38:16: sondern wir werden personell unterstützt durch einen Mitarbeiter der Sparkasse,
00:38:22: der Teil des Stiftungsvorstandes ist.
00:38:25: Aber wir müssen genauso unsere Gelder beantragen, wie jeder, jeder andere auch.
00:38:30: Diesen Mann kenne ich, das ist der Erfinder des Podcasts.
00:38:33: Aber Sie kriegen das Plakat.
00:38:36: Also viel Freiraum für Ihre Botschaft an uns.
00:38:38: Sie dürfen schreiben, malen, schreien, fordern, singen, wenn Sie mögen,
00:38:44: alles, was Sie wollen, auf unserer Zuhause in Essen Plakatwand.
00:38:48: Dann würde ich sagen, immer ein Handschlag, eine freundliche Begrüßung
00:38:52: und eine Tasse Tee oder Kaffee danach.
00:38:55: Denn was ich merke ist, dass einfach mit allen reden, dass viel hilft auch viel.
00:39:02: Am Ende des Tages zu niemanden sagen, mit dir spreche ich nicht.
00:39:06: Und das auch meinen.
00:39:08: Und das kann manchmal auch sehr schwierig sein,
00:39:10: weil wir uns dann manchmal ganz, ganz schwierige Dinge anhören müssen.
00:39:14: Aber wenn man das macht, dann schafft man Vertrauen
00:39:18: und dann schafft man einfach eine Basis, von der aus man dann wieder weitergehen kann.
00:39:21: Ich habe mich getraut.
00:39:22: Gibt es irgendwas für was ich mich noch entschuldigen müsste jetzt noch?
00:39:25: Nein, ne?
00:39:27: Sie haben mir gesagt, alles ist erlaubt
00:39:29: und Sie verbessern ja auch einfach dann an der richtigen Stelle.
00:39:32: Vorsicht!
00:39:34: Da gab es sogar den Zeigefinger.
00:39:36: Vorsicht!
00:39:38: Okay.
00:39:40: Darf ich Ihnen jetzt noch, ich darf Ihnen jetzt trotzdem nicht,
00:39:42: eine fröhliche Weihnachtszeit kann ich Ihnen wünschen,
00:39:44: da wird es nur auf die Tage bezogen.
00:39:46: Guter Rutsch, ist eigentlich guter Rutsch,
00:39:48: ist das wirklich so auch jüdischer Ursprung?
00:39:50: Ja, genau. Also das jüdische Neuesfest ist ja schon vorbei.
00:39:53: Ja, dritter, vierter, Oktober.
00:39:55: Genau, aber Rutsch hat mit Roche zu tun.
00:39:58: Also von Rocha Chanel, Rocha Chanel ist ja auch das neue Jahr.
00:40:01: Wenn man sich guten Rutsch wünscht,
00:40:03: dann wünscht man sich eigentlich eben einen guten Roche,
00:40:05: das ist ja überhauptes Jahr, ist eigentlich ein guter Wechsel.
00:40:08: Daher der Name "Guter Rutsch" zum Jahreswechsel.
00:40:10: Dann wünsche ich Ihnen das.
00:40:12: Wünschen Sie mir das oder wünschen Sie mir einfach ein frohes Ranooka?
00:40:15: So, wann ist das, wann wird das genau befallen?
00:40:17: Am 25. Dezember.
00:40:19: 25. Dezember, dann sieben Tage.
00:40:21: Dr. Diana Matuth, Dankeschön für Ihre Zeit.
00:40:23: Ich danke Ihnen, Herr Hössel.
00:40:25: Ja, in diesem großen Saal der alten Synagoge lagen
00:40:28: Koffer und deren Inhalt mitten im Raum,
00:40:30: Teil der neuen Ausstellung, Freiheit in der Ferne,
00:40:33: und Koffer sind ausgepackt.
00:40:35: Es geht hier ja klar um jüdische Geflüchtete
00:40:38: aus der ehemaligen Sowjetunion,
00:40:40: in diesem Fall nach Deutschland vor grad mal 30 Jahren.
00:40:43: Aber natürlich schafft diese Ausstellung auch ein Bewusstsein
00:40:46: für den dauerhaften Zustand der Jüdinnen und Juden
00:40:49: auf der Welt mal zu flüchten, mal zu reisen,
00:40:52: sich immer wieder neu zu finden in anderen Kulturen,
00:40:56: Sprachen, anderen Ländern sehr beeindruckend.
00:40:59: Dazu sei dann noch das Programm 2025 so abwechslungsreich,
00:41:03: wie selten ich verlinke mal die Seite in den Shownotes.
00:41:07: Ja, und wir hören uns frisch wieder mit einer ja ganz anders
00:41:11: einflussreichen mächtigen Frau hier in unserer Stadt im Januar.
00:41:16: Und jetzt, ja, eine wunderbare Vorweihnachtszeit wünsche ich Ihnen,
00:41:19: wünschen wir Ihnen besinnliche Weihnachtstage,
00:41:22: besinnliche Ranooka-Tage.
00:41:24: Kommen wir nach diesem wilden Jahr etwas zur Ruhe, oder?
00:41:28: Hier, in unserer schönen Stadt.
00:41:32: Das war Zuhause in Essen, ein Podcast der Sparkasseressen.
00:41:38: Die neue Folge, jeden zweiten Dienstag im Monat.
00:41:43: [Musik]
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